Passen Sie auf sich auf!

Sonnabend, 10. April 2021, 16:58 Uhr
Erfurt, den 10. April 2021

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir hoffen, dass Sie sich in den Osterferien ein wenig erholen konnten, und wünschen Ihnen einen guten Start in die Schulzeit. Diese hält für uns große Herausforderungen bereit.
Sie müssen damit rechnen, dass der Präsenzunterricht koste es, was es wolle wieder aufgenommen bzw. weitergeführt wird. Die meisten von uns bevorzugen diesen sicherlich gegenüber dem Distanzun-terricht. Doch angesichts der steigenden Inzidenzzahlen, die in Thüringen auch noch bundesweit am höchsten sind, und der Tatsache, dass gerade die Jüngeren in dieser Phase der Pandemie offensichtlich in hohem Maße relevant für das Infektionsgeschehen sind, sind nun viele Lehrkräfte verständlicher-weise verunsichert.

Vorsicht bei den Selbsttests!
Die Anweisung des Ministeriums lautet, dass die Selbsttests an den Thüringer Schulen von den Schü-lern selbstständig durchzuführen sind. Die Lehrer haben diese an die Schüler auszugeben, zu beauf-sichtigen und zu dokumentieren. Dies soll an zwei von der Schulleitung festzulegenden Wochentagen in der ersten Unterrichtsstunde stattfinden. Den dadurch entstehenden planmäßigen Unterrichtsaus-fall nimmt das Ministerium in Kauf.
Beachten Sie dabei:
- Die Tests sind für die Schüler freiwillig! Eltern können schriftlich Widerspruch einlegen.
- Dokumentieren Sie die Ergebnisse äußerst sorgfältig! Da das Ministerium die Verantwortung für die Tests auf Sie abwälzt, ist zu befürchten, dass man auch versuchen wird, Sie für eventuelle Unregelmäßigkeiten verantwortlich zu machen!
- Schüler, deren Test positiv ist, müssen sich unverzüglich in Quarantäne begeben. Bei minder-jährigen Schülern müssen die Sorgeberechtigten informiert und die Schüler von diesen abgeholt werden.
- Bis zur Bestätigung des positiven Testergebnisses durch einen PCR-Test gelten die Mitschüler und Sie selbst nicht als Kontaktpersonen und bleiben daher im Unterricht!
- Achten Sie also auf Selbstschutz, vor allem bei der Entsorgung des Testmaterials!

Wenn Sie sich jetzt denken: „Die Tests sind freiwillig, bisher hat sich vielleicht die Hälfte der Schüler tes-ten lassen, und man darf davon ausgehen, dass diejenigen Eltern, die es mit der Einhaltung der Corona-Regeln nicht so genau nehmen oder das Ganze gleich für eine Erfindung der Mächtigen halten, ihre Kin-der bestimmt nicht zum Test schicken werden dann ist das Ganze doch eigentlich wenig aussagekräf-tig!“ dann kann man nur sagen: Sie haben recht. In anderen Bundesländern sind Tests verpflichtend. In Thüringen schreckt man davor noch zurück, kündigt lediglich vage an (Schreiben des Ministeriums vom 6. April), die Tests verpflichtend zu machen, falls nicht genügend Schülerinnen und Schüler sich testen lassen. Wobei offen bleibt, welchen Prozentsatz man für ausreichend hält. Offenbar fürchtet man Konflikte mit Eltern, wenn verpflichtende Tests angeordnet werden. So kurz vor einer Landtags-wahl, das leuchtet ein, möchte man es sich mit den Eltern nicht verderben.
Es geht um Ihre Gesundheit! Sie sind auf sich allein gestellt!

Die Staatssekretärin hat dezidiert geäußert, das Ministerium werde nicht beantragen, Lehrer der wei-terführenden Schulen früher impfen zu können. Wohlbemerkt: Man versucht es gar nicht erst, sondern verzichtet ausdrücklich auf diese Möglichkeit. Damit stellt sich das Thüringer Bildungsministerium ex-plizit gegen Länder wie Sachsen-Anhalt, wo nicht nur die Lehrkräfte aller Schularten, sondern auch alle übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Sekretärinnen, Hausmeister, ) nun eine Impfung erhalten. Das Ministerium setzt Sie also bewusst einem erhöhten Infektionsrisiko aus! Nun ist es klar: Ihr Dienstherr stärkt Ihnen nicht den Rücken, sondern er versteckt sich hinter Ihnen und nutzt Sie als Schutzschild! Im Elternbrief zu den Selbsttests schrieb der Minister am 6. April: „Viele Lehrerinnen und Lehrer haben sich bereits impfen lassen. Dafür bin ich außerordentlich dankbar. Denn jede und jeder Ge-impfte macht uns alle sicherer.“ Für die Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen, denen eine rasche Impfung vorenthalten wird, ist dies ein Schlag ins Gesicht und zeigt, dass die Hausspitze den Blick für die Realität verloren hat.

Also: Passen Sie auf sich auf!
Überlegen Sie sich sehr gut, was Sie sich zumuten können und wollen. Bleiben Sie bei Krankheitsanzei-chen lieber zu Hause denken Sie an Ihre Schüler und Kollegen, vor allem aber an sich selbst!

Wenden Sie sich, wenn Sie sich unsicher sind, an Ihren örtlichen oder Bezirkspersonalrat oder an Ihren Verband oder Ihre Gewerkschaft!

Und vor allem: Bleiben Sie gesund!
Ihr Thüringer Philologenverband

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