LaiW-Studie des Deutschen Philologenverbandes:

Montag, 09. März 2020, 11:05 Uhr
LaiW-Studie des Deutschen Philologenverbandes:
Auch Thüringer Gymnasiallehrkräfte
sind mehrheitlich beruflich stark belastet
09.03.2020


Das Positive vorweg: „Thüringer Gymnasiallehrkräfte sind gern Lehrer und en-gagieren sich trotz starker Belastung in hohem Maße für ihre Schüler und ihre Schule.“, so Heike Schimke, Vorsitzende des Thüringer Philologenverbandes.

Das ist eines der Ergebnisse der vom Deutschen Philologenverband (DPhV) in Auftrag gegebenen Studie „Lehrerarbeit im Wandel“ (LaiW). Die Studie wurde vom Institut für Präventivmedizin der Universitätsmedizin Rostock durchgeführt unterstützt von der DAK-Gesundheit. Mit über 16.000 ausgewerteten Datensätzen der online befragten Gymnasiallehrer ist sie die bisher umfassendste Erhebung zu der Thematik.

Die Arbeitsbelastung der Thüringer Gymnasiallehrkräfte ist hoch. 70 Prozent der befragten Lehrkräfte empfinden ihre berufliche Belastung durch den Leh-rerberuf als hoch oder sehr hoch. Die vielerorts unzureichende materielle Aus-stattung der Schulen erschwert Gymnasiallehrkräften in Thüringen die Ar-beit zusätzlich.

Wirklich alarmierend sind jedoch folgende Befunde:

- Im Bundesdurchschnitt gehen Thüringer Lehrkräfte besonders häufig auch krank zur Arbeit, selbst gegen ärztlichen Rat, verschieben ihre Genesung auf die Ferien oder verzichten auf eine Kur.

- 40 Prozent der Lehrkräfte geben an, sich nicht gut erholen zu können. Eben-so viele Lehrkräfte schlafen schlecht, und mehr als die Hälfte der Befragten er-klären, ihnen gelinge die Balance von Arbeit und Freizeit nicht.

All dies zeigt, dass die Thüringer Lehrkräfte mit einem hohen Idealismus an ihre Aufgaben herangehen und dabei ihr eigenes Wohl häufig aus dem Blick ver-lieren.

Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und der Hauptpersonal-rat Schulen haben im Jahr 2016 eine Rahmendienst-vereinbarung Gesundheits-management abgeschlossen. Diese Vereinbarung hat unter anderem das Ziel, die individuelle Gesundheit und das Gesundheitsbewusstsein der Beschäftigten zu erhalten, zu fördern und zu verbessern. Derzeit werden die Maßnahmen zum Gesundheitsmanagement für Thüringer Lehrkräfte jedoch vor Ort an den Schulen kaum wirksam. Der Thüringer Philologenverband mahnt: Hier muss schnell etwas passieren!

Zur Verbesserung ihrer Gesundheit wünschen sich Thüringer Gymnasiallehrer besonders die Verringerung von Verwaltungsaufgaben bei ihrer Arbeit und eine geringere Unterrichtsverpflichtung.

Um die Arbeitsdichte zu verringern und die psychische Belastung von Lehrkräf-ten zu senken und auf der anderen Seite Lehrkräfte bei ihrer Arbeit zu stärken und zu unterstützen, fordert der Thüringer Philologenverband deshalb folgende Maßnahmen:

1. Aufgaben von Lehrkräften sind kritisch zu prüfen.

2. Vor Einführung einer Neuerung an Schulen ist zu prüfen, wie
sich diese Änderung auf die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte
auswirkt.

3. Verwaltungsaufgaben, die nicht unbedingt notwendig sind
oder die zu einer hohen Belastung der Lehrkräfte führen,
jedoch nur von geringem Nutzen für die Schulen oder die
Lehrkräfte sind, sind abzuschaffen oder zu reduzieren.

4. Jede Schule erhält permanente Unterstützung bei der Arbeit
mit verhaltensauffälligen und psychisch auffälligen Schülern
durch Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen.

5. An den Schulen werden Möglichkeiten geschaffen, dass
Lehrkräfte sich in Freistunden zurückziehen und erholen
und in Ruhe arbeiten können.

6. Die materielle Ausstattung der Thüringer Schulen wird
räumlich und digital durch ein breites Schulsanierungs-
konzept verbessert.

Heike Schimke ist für Stellungnahmen unter der Telefonnummer 01573 28 77 507 zu erreichen.

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