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Trendmonitor KI in der Bildung 2026: DPhV fordert endlich verbindliche Unterstützung für Lehrkräfte durch Freistellung für fachlich-fundierte KI- Fortbildungen und zügig umgesetzte Rechtssicherheit / Einsatz von KI darf fachliche

Mittwoch, 23. September 2026, 07:06 Uhr
Der Deutsche Philologenverband (DPhV) fordert die Kultusministerien
der Länder auf, Lehrkräfte beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht endlich
verbindlich zu unterstützen, statt sie mit der Verantwortung allein zu lassen. Der
„Trendmonitor KI in der Bildung 2026" der Deutschen Telekom Stiftung* liefert dafür aktuelle
Belege: Immer mehr Lehrkräfte setzen KI-Anwendungen regelmäßig im Unterricht ein –
doch mehr als die Hälfte von ihnen (57 Prozent) fühlt sich dabei unsicher, rund 64 Prozent
fühlen sich „weniger gut" oder „schlecht" informiert darüber, was rechtlich überhaupt erlaubt
ist.** Für den DPhV ein klarer Beleg, dass die Politik ihrer Verantwortung bislang nicht
ausreichend nachkommt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf in den Ländern!
Klar ist: Künstliche Intelligenz verändert den Schulalltag. Laut Trendmonitor versprechen
sich Lehrkräfte von KI vor allem eine spürbare Entlastung bei der Unterrichtsvorbereitung
und der Erstellung von Lernmaterialien. Für Schülerinnen und Schüler liege der größte
Nutzen in assistiven KI-Anwendungen zur Inklusion, etwa bei Seh-, Hör- oder
Sprachbarrieren – dicht gefolgt von Systemen mit individuellem Feedback, die allen
Lernenden eine auf ihren eigenen Lernstand zugeschnittene Förderung ermöglichen
können. Doch dieses Potenzial entfaltet sich aus DPhV-Sicht nur, wenn die politischen
Rahmenbedingungen stimmen – und genau daran hapert es nach wie vor.
Für den Verband steht dabei an erster Stelle, dass der Einsatz von KI die fachliche Substanz
schulischer Bildung nicht aushöhlt. Maßstab muss der anspruchsvolle gymnasiale
Bildungsbegriff mit seinem Fokus auf Verstehen statt bloßer Reproduktion bleiben:
Schülerinnen und Schüler müssen befähigt werden, KI-generierte Ergebnisse fachlich
einzuordnen und eigenständig weiterzudenken, statt sie unreflektiert zu übernehmen. Wie
berechtigt diese seit Langem geäußerte Sorge vor einem „Deskilling durch KI“ ist, unterlegt
der Trendmonitor mit Zahlen: Die entsprechende Risikoeinschätzung ist 2026 noch höher
ausgefallen als im Vorjahr und zählt so zu den am gravierendsten eingeschätzten Risiken
des schulischen KI-Einsatzes. Daraus folgt aus Sicht des DPhV zweierlei: Erstens muss
sichergestellt werden, dass eigenständig erbrachte fachliche Leistung sichtbar und
überprüfbar bleibt. Zweitens darf KI niemals die Fachlehrkraft ersetzen, die Inhalte fachlich
fundiert und in der Tiefe vermittelt, wissenschaftspropädeutisches Arbeiten ermöglicht und
Schülerinnen und Schüler so zu eigenständigem, kritischem Denken befähigt. Lin-Klitzing:
„Diese Voraussetzungen sind der wirksamste Schutz vor Kompetenzverlust!“ Die finale
pädagogische Verantwortung muss immer bei der Lehrkraft liegen: KI darf unterstützen,
aber niemals selbst über Leistungen urteilen oder Schülerinnen und Schüler überwachen –
ein Grundsatz, den auch der Trendmonitor mit seiner klaren Ablehnung KI-gestützter
Prüfungsaufsicht bestätigt.
Um dem entgegenzuwirken, braucht es aus Sicht des DPhV ausreichend fachlich fundierte
KI-Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, die didaktisches, medienpädagogisches sowie
ethisches KI-Wissen vermitteln – und vor allem ausreichend Zeit dafür. Auch hier bestätigt
der Trendmonitor die Dringlichkeit: Fortbildungen zum verantwortungsvollen Einsatz von KI
zählen mit zu den am höchsten priorisierten Handlungsfeldern. Der DPhV fordert deshalb
erneut echte Freistellungen für Lehrkräfte, um an solchen Fortbildungen teilzunehmen.
Ebenso hält der DPhV unverändert an seiner Forderung fest, KI-Kompetenzen in allen drei
Phasen der Lehrkräftebildung zu verankern und das Referendariat nicht weiter zu
verkürzen. „Lehrkräfte brauchen verlässliche Fortbildungsangebote mit echter Freistellung
und ausreichend Zeit dafür – nicht zusätzlich zum bestehenden Deputat. Ohne diese
Investition bleibt es dem Zufall überlassen, ob sich einzelne Lehrkräfte das nötige Wissen
selbst aneignen können", so Lin-Klitzing. Ebenso hält der DPhV an seiner langjährigen
Forderung nach klaren, rechtssicheren Vorgaben fest: Lehrkräfte brauchen verbindliche
Rechtsverordnungen – keine weiteren Handreichungen, die nur benennen, was verboten
ist, aber offenlassen, was erlaubt ist. Diese Forderung erhebt der DPhV bereits seit über
einem Jahr; doch laut Trendmonitor hat sich kaum etwas geändert.
Weiterhin braucht es eine europäische Digitalstrategie, die Schulen unabhängig von
einzelnen, überwiegend außereuropäischen Technologiekonzernen macht: Zwar ist die Zahl
deutscher KI-Anwendungen für Schulen binnen eines Jahres von 44 auf 77 gestiegen, doch
von den insgesamt 258 erfassten Anwendungen stammt mit 104 nach wie vor mehr als jede
dritte aus den USA. Aus gutem Grund benennt der Trendmonitor die Abhängigkeit von
marktführenden Anbietern inzwischen als größtes Risiko des schulischen KI-Einsatzes. Der
DPhV erwartet deshalb flächendeckend datenschutzkonforme KI-Anwendungen aus
Deutschland und Europa, verlässlich finanziert von den Ländern, sowie eine
Datenschutzaufsicht auf Ebene der Kultusministerien, damit pädagogische Autonomie und
schulische Datensouveränität nicht zur Verhandlungsmasse kommerzieller Anbieter
werden.
„Der Trendmonitor zeigt erneut: Ob KI den Unterricht bereichert oder Lehrkräfte zusätzlich
belastet, entscheidet sich nicht an der Technologie, sondern an den politischen
Rahmenbedingungen. Wir erwarten von den Kultusministerien jetzt konkrete Schritte:
fachlich fundierte Lehrkräfte-Fortbildungen mit echter Freistellung statt zusätzlicher
Belastung, klare Rechtssicherheit und einen wirksamen Schutz der Lernenden vor
Kompetenzverlust durch KI. Nur so kann KI den Unterricht wirklich verbessern – im Sinne
der Lehrkräfte und im Sinne der Schülerinnen und Schüler", resümiert Lin-Klitzing.
* Trendmonitor KI in der Bildung 2026, Deutsche Telekom Stiftung (Hrsg.), online verfügbar unter
www.telekom-stiftung.de/trendmonitor-ki
** Repräsentative Lehrkräftebefragung von forsa im Auftrag der Deutschen Telekom Stiftung (2026), zitiert
nach: Trendmonitor KI in der Bildung 2026, S. 29

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